Die charttechnische Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS) und ihre umgekehrte Variante (inverse SKS, iSKS) zählen zu den zuverlässigsten Mustern der Technischen Analyse. Ob Sie Aktien, Kryptowährungen oder Forex handeln – Sie werden diesen Formationen zwangsläufig begegnen. Sie signalisieren eine Trendwende: eine bärische Umkehr bei der SKS, eine bullische Umkehr bei der inversen SKS.
Der Vorteil dieser Formationen ist, dass sie klare Einstiege, eindeutige Stop-Loss-Niveaus und berechenbare Kursziele liefern. Kein Rätselraten, kein Nebel. Deshalb sind sie bei ernsthaften Tradern so beliebt. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie sie präzise identifizieren, entspannt traden und vor allem die Fehlsignale vermeiden, die Geld kosten.
Für eine effiziente Navigation durch diesen Artikel hier eine Zusammenfassung der Inhalte:
| Abschnitt | Was Sie lernen |
|---|---|
| Bildung und Struktur | Eine SKS oder iSKS visuell erkennen, die Nackenlinie einzeichnen, Proportionen verstehen |
| Psychologie der Formationen | Warum Distribution oder Akkumulation eine Umkehr auslöst |
| Bestätigung und Ausbruch | Unterschiede zwischen Schlusskurs-Ausbruch, Docht-Ausbruch und Pullback-Verhalten |
| Einstieg und Ausstieg | Einstiegspunkte, Stop-Loss-Platzierung, Berechnung des theoretischen Kursziels |
| Statistiken | Realistische Erfolgsquoten und zu meidende Fälle |
Merke
- Doppelte Umkehr: Die SKS signalisiert eine bärische Umkehr nach einem Aufwärtstrend, die inverse SKS eine bullische Umkehr nach einem Abwärtstrend.
- Kritische Nackenlinie: Sie ist der Schlüssel zur Validierung. Sie kann horizontal, steigend oder fallend verlaufen. Ihr Bruch löst das Signal aus.
- Harmonie und Proportionen: Je symmetrischer und ausgewogener die Formation, desto zuverlässiger. Eine erzwungene oder verzerrte Formation ignorieren.
- Volumen und Momentum: Die Volumina sollten beim Ausbruch ansteigen. Niedrige Volumina machen den Ausbruch weniger glaubwürdig.
- Abgetragenes Ziel: Die Höhe Kopf–Nackenlinie, vom Ausbruch abgetragen, liefert das Hauptziel. Keine Garantie, aber ein statistischer Anhaltspunkt.
- Erfolgsquote: Studien zeigen 60 bis 75 % validierte Ausbrüche (je nach Markt und Zeiteinheit). Setzen Sie nie alles auf eine einzige Formation.
Was ist eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation?
Umkehrformation: Was das Signal bedeutet
Eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS) ist ein Muster der Trendumkehr. Bildet sie sich aus, kündigt sie in der Regel das Ende eines Aufwärtstrends und den Beginn eines Abwärtstrends an. Es ist ein Signal, das sagt: "Achtung, die Käufer kontrollieren den Markt nicht mehr."
Die Formation besteht aus drei aufeinanderfolgenden Hochs: zwei seitliche Hochs (die Schultern) und ein höheres zentrales Hoch (der Kopf). Dazwischen zeichnet der Kurs zwei Tiefs. Eine imaginäre Linie verbindet diese beiden Tiefs: die Nackenlinie. Bricht der Kurs diese Nackenlinie nach unten, ist das Umkehrsignal bestätigt, und die Technische Analyse erwartet einen folgenden Rückgang.
Was diese Formation so stark macht, ist ihre klare, wiederholbare Struktur. Anders als abstraktere Muster ist die SKS eindeutig erkennbar: drei Buckel, zwei Tiefs, eine Nackenlinie. Visuell, mechanisch, nachzeichnbar.
Die zwei Varianten: SKS und inverse SKS
Es gibt zwei Hauptvarianten:
- Schulter-Kopf-Schulter (SKS): Entsteht nach einem Aufwärtstrend und kündigt eine Abwärtsumkehr an. Die drei Hochs folgen auf jeweils tiefere Zwischentiefs.
- Inverse Schulter-Kopf-Schulter (iSKS): Entsteht nach einem Abwärtstrend und kündigt eine Aufwärtsumkehr an. Die drei Tiefs steigen nach jedem Zwischengipfel an.
Im Trading funktionieren beide nach demselben Prinzip: Nackenlinie identifizieren, auf den Ausbruch warten und die Orders entsprechend platzieren. Der Unterschied liegt in Bewegungsrichtung und Handelsrichtung. Eine SKS veranlasst zum Verkaufen bzw. Shorten. Eine iSKS lädt zum Kaufen bzw. Longgehen ein.
In welchen Märkten und Zeiteinheiten sie auftritt
Schulter-Kopf-Schulter-Formationen treten in allen Märkten auf: Aktien, Forex, Kryptowährungen, Rohstoffe. Kein Markt entzieht sich der Psychologie, die dieses Muster erzeugt.
Was die Zeiteinheiten betrifft: Sie erscheinen in allen Timeframes – vom 5-Minuten-Chart bis zum Monatschart. Je länger jedoch die Bildung (4h, Tag, Woche), desto zuverlässiger wird sie. Eine iSKS, die sich über 3 Monate bildet, ist kräftiger als eine in 3 Tagen.
Als Faustregel: Auf sehr kleinen Timeframes (1 bis 5 Minuten) häufen sich die Formationen, sind aber stärker verrauscht. Fehlsignale nehmen zu. Wenn Sie beginnen, bevorzugen Sie 4h-, Tages- oder Wochencharts zur Studie von Chartformationen.
Wie die Schulter-Kopf-Schulter entsteht
Bestandteile der SKS: linke Schulter, Kopf, rechte Schulter
Stellen Sie sich den Aufbau Schritt für Schritt vor:
Der Kurs steigt, bildet ein Hoch (linke Schulter), korrigiert dann nach unten und formt ein Tief. Anschließend steigt er erneut, höher als die linke Schulter: das ist der Kopf. Er fällt wieder und bildet ein zweites Tief. Schließlich steigt der Kurs ein drittes Mal, schafft es aber nicht mehr über die Höhe der linken Schulter oder nur knapp: die rechte Schulter. Der Kurs fällt daraufhin, und hier wird die Nackenlinie kritisch.
Jede Komponente hat eine psychologische Rolle:
- Die linke Schulter zeigt zuversichtliche Käufer.
- Der Kopf zeigt einen letzten Versuch, weiter Terrain zu gewinnen – er erschöpft die Käufer jedoch.
- Die rechte Schulter zeigt Schwäche: Der Kurs schafft es nicht mehr zurück auf das gleiche Niveau. Die Verkäufer übernehmen.
Die Nackenlinie: korrekt einzeichnen
Die Nackenlinie verbindet die zwei Tiefs der Formation. Sie markiert eine psychologische Schwelle. Ihre Bedeutung ist nicht übertrieben: Sie validiert oder invalidiert die gesamte Formation.
Zum korrekten Zeichnen identifizieren Sie zuerst das Tief der linken Schulter (erstes Tief), dann das Tief zwischen Kopf und rechter Schulter (zweites Tief). Zeichnen Sie eine Gerade, die diese beiden Punkte verbindet. Ob diese Linie steigt, fällt oder horizontal verläuft, verändert die Natur des Signals.
Häufiger Fehler: Man will unbedingt eine perfekt horizontale Nackenlinie zeichnen. Nein. Die Linie darf eine Neigung haben. Wichtig ist, dass die beiden Tiefs sie sichtbar definieren und dass der Kurs sie anschließend mit Kraft bricht.
Horizontale, steigende oder fallende Nackenlinie: Was ändert sich?
Horizontale Nackenlinie: Der klassische Fall. Die beiden Tiefs liegen ungefähr auf gleichem Niveau. Der Ausbruch ist visuell sehr klar. Das Signal ist eindeutig.
Steigende Nackenlinie: Das zweite Tief liegt höher als das erste. Das bedeutet, dass der Abwärtstrend bereits im Gange ist. Der Bruch kommt schneller, ist aber für den Markt weniger „überraschend“. Die folgende Bewegung kann weniger heftig ausfallen.
Fallende Nackenlinie: Das zweite Tief liegt tiefer als das erste. Seltener. Es zeigt eine allmähliche Schwäche. Der Bruch kann besonders brutal sein, da aufgestaute Abwärtsenergie freigesetzt wird.
In puncto Handelbarkeit bleibt die horizontale Nackenlinie am gebräuchlichsten und am einfachsten zu handeln. Die anderen Varianten funktionieren, verlangen aber mehr Erfahrung.
Praktische Gültigkeitsregeln (Symmetrie, Dauer, Proportionen)
Damit eine Formation wirklich handelbar ist, sollte sie einige Regeln erfüllen:
- Symmetrie: Beide Schultern sollten etwa gleich hoch sein. Ist die rechte Schulter deutlich tiefer oder höher, ist es keine „saubere“ Formation.
- Dauer: Die Bildung braucht Zeit. Eine SKS in 5 Tagen ist schwächer als eine in 3 Wochen. Je länger die Zeit, desto mehr Energie akkumuliert sich.
- Proportionen: Der Kopf muss deutlich höher als die beiden Schultern sein. Sind alle drei Hochs nahezu gleich hoch, ist die Formation unzuverlässig.
- Volumina: Die Volumina sollten sich während der Bildung allmählich verringern und beim Bruch der Nackenlinie ansteigen. Durchgehend schwache Volumina deuten auf eine schwache Formation hin.
Wenn eine „Formation“ diese Regeln kaum respektiert, lassen Sie sie liegen. Es gibt Hunderte Formationen und Ausbrüche pro Monat. Sie müssen kein krummes Muster erzwingen.
Die Psychologie hinter der SKS: Distributionsphase
Warum kein neues Hoch mehr gelingt
In einem Aufwärtstrend erzeugt jeder neue Hochversuch Optimismus. Käufer übernehmen, der Kurs steigt – alles gut.
Doch irgendwann ermüden die Käufer. Die Preise sind so hoch, dass es kaum noch neue Käufer gibt. Frühe Käufer und Institutionen, die seit Beginn akkumuliert haben, verkaufen, um Gewinne zu sichern. Das ist die Distribution.
Der Kurs steigt noch (linke Schulter und Kopf), aber mit weniger Überzeugung. Jedes Hoch wird von mehr Verkäufern begleitet. Deshalb überschreitet die rechte Schulter den Kopf nicht. Der Markt ist von Verkäufern gesättigt. Das Angebot übersteigt die Nachfrage.
Diese Psychologie spiegelt sich in den Volumina: Sie nehmen im Verlauf der Bildung ab. Die Nachfrage erlahmt. Kommt der Bruch, ist das die logische Konsequenz.
Was die zwei Tiefs und die Nackenlinie aussagen
Die beiden Tiefs sind Momente temporärer Käuferübernahme. Jedes Mal testen sie ihre Fähigkeit, zu kaufen und den Kurs zu heben. Doch jedes Mal scheitern sie daran, das vorige Hoch zu überbieten. Das ist das Wesen der Umkehr: Die Käufer sind nicht mehr stark genug.
Die Nackenlinie (Verbindung dieser zwei Tiefs) stellt eine Unterstützungszone dar. Solange sie hält, besteht eine Chance, dass der Aufwärtstrend anhält. Nach ihrem Bruch wird diese Unterstützung zur Widerstandszone: Verkäufer haben die Kontrolle, die Abwärtsbewegung beschleunigt.
Frühe Warnsignale vor dem Bruch (Momentumverlust, wiederholtes Scheitern)
Vor dem Bruch der Nackenlinie warnen vorab einige Signale aufmerksame Trader:
- Abnehmende Volumina: Bei jedem neuen Hoch sind die Volumina niedriger. Zeichen von Erschöpfung.
- Divergenzen in Indikatoren: Der Kurs macht ein neues Hoch, der RSI oder MACD nicht. Bärische Divergenz.
- Kürzere Rallys: Jeder Versuch, das vorige Hoch zu übertreffen, dauert kürzer und legt weniger Strecke zurück.
- Wartezeit: Während die Formation reift, dauert jede Phase (rechte Schulter) länger. Es baut sich Unsicherheit vor dem Bruch auf.
Ein aufmerksamer Trader, der eine entstehende SKS sieht, kann bereits Long-Positionen reduzieren oder Verkaufsorders vorbereiten. Man muss nicht auf den Bruch warten, um zu handeln: Die Signale kommen vorher.
Wie man eine SKS bestätigt
Der Bruch der Nackenlinie: das Validierungssignal
Der Bruch der Nackenlinie ist der entscheidende Moment. Hier wird aus Theorie konkretes Trading. Solange der Kurs über der Nackenlinie liegt, bleibt die Formation „schlafend“. Ein klarer, endgültiger Bruch weckt sie.
Damit ein Bruch wirklich valide ist, sollten einige Bedingungen erfüllt sein:
- Der Kurs muss die Nackenlinie klar brechen, nicht nur leicht touchieren.
- Der Bruch sollte mit einem spürbaren Volumenanstieg einhergehen. Kein Bruch ohne Überzeugung.
- Der Bruch sollte durch einen Schlusskurs bestätigt werden. Ein Docht, der die Linie zwar durchstößt, aber ohne Bestätigung im Schlusskurs, ist weniger verlässlich.
Schlusskurs-Ausbruch vs. Docht-Ausbruch: wie entscheiden
Ausbruch per Schlusskurs: Der Kerzenkörper durchbricht die Nackenlinie und der Schlusskurs bleibt darunter (bei einer SKS). Das stärkste Signal. Verkäufer dominierten die gesamte Kerze.
Ausbruch per Docht: Der Docht (Schatten) durchstößt die Nackenlinie, Körper und Schlusskurs bleiben darüber. Schwächer. Zeigt einen Versuch, aber keinen endgültigen Sieg.
In der Praxis liefern Schlusskurs-Ausbrüche höhere Erfolgsquoten. Bei einem reinen Docht-Ausbruch warten Sie die Bestätigung der Folgkerze ab, bevor Sie einsteigen. Das reduziert Fehlsignale.
Pullback zur Nackenlinie: wann warten, wann ignorieren
Nach einem Abwärtsbruch der Nackenlinie steigt der Kurs häufig zurück, um diese Linie erneut zu testen, bevor er weiter fällt. Das ist der Pullback. Normal und sehr häufig.
Der Pullback bietet eine zweite Einstiegschance zu einem weniger aggressiven Preis als der Erstbruch. Viele Trader steigen beim initialen Bruch ein, andere warten den Pullback ab, um schnelle Gegenbewegungen zu vermeiden.
Wann ignorieren? Wenn der Kurs zwar anzieht, die Nackenlinie aber nicht erreicht und die Volumina dabei fallen, ist das positiv. Die Abwärtsbewegung ist bereits im Gange. Warten Sie nicht auf einen Pullback, der womöglich nicht kommt.
Umgekehrt: Wird die Nackenlinie ein zweites Mal getestet und die Volumina brechen ein, ist Vorsicht geboten. Der Pullback kann in eine bullische Neuaufladung kippen.
Invalidation der Formation: wann das Setup hinfällig ist
Eine SKS kann invalidiert werden. Das passiert in diesen Fällen:
- Rückkehr über den Kopf: Steigt der Kurs nach Bruch und Pullback wieder über das Kopfhoch, ist die Formation negiert. Keine Umkehr.
- Pullback durchschreitet die Linie: Überquert der Pullback die Nackenlinie klar nach oben bei steigenden Volumina, war der Bruch nicht valide.
- Makro-News: Eine große Nachricht (Zentralbankentscheid, Arbeitsmarktbericht etc.) kann die Mechanik abrupt aufheben. Der Markt dreht, ohne das Muster zu respektieren.
Als Trader müssen Sie akzeptieren, dass selbst die besten Formationen scheitern können. Ein gutes Chance/Risiko-Verhältnis schützt Sie von Beginn an.
Wie man die SKS handelt
Einstieg 1: Einstieg beim Bruch der Nackenlinie
Das ist der aggressive Ansatz. Sobald Sie einen klaren Schlusskurs unter der Nackenlinie sehen, platzieren Sie eine Verkaufsorder (oder Short bei Hebel-Trading).
Vorteile:
- Sie fangen den Beginn der Bewegung, oft den heftigsten Teil.
- Sie sind exakt am Referenzpunkt der Formation positioniert.
Nachteile:
- Mehr „Rauschen“. Schnelle Gegenläufe und Fehlsignale sind häufig.
- Ein heftiger Pullback kann Sie schnell ausstoppen.
Dieser Einstieg passt zu erfahrenen Tradern, die Risikomanagement beherrschen und kleine Verluste akzeptieren, um große Bewegungen einzufangen.
Einstieg 2: Einstieg nach Pullback mit Bestätigungskerze
Das ist der konservative Ansatz. Sie warten, bis der Kurs die Nackenlinie bricht und dann ansteigt (Pullback), um sie erneut zu testen. Sie steigen erst ein, wenn eine bärische Bestätigungskerze erscheint: typischerweise ein umgekehrter Hammer, ein bärisches Engulfing oder einfach ein Schlusskurs unter dem Pullback-Niveau.
Vorteile:
- Sie filtern Fehlsignale. Der Pullback wirkt als natürlicher Filter.
- Ihr Einstieg ist durch zwei Bewegungen validiert: Bruch und Bestätigung.
Nachteile:
- Sie steigen später ein, oft zu einem weniger günstigen Preis als beim Erstbruch.
- Ist der Pullback stark und hoch, verpassen Sie einen Teil der Bewegung.
Dieser Einstieg passt zu Einsteigern und Tradern, die Sicherheit vor Schnelligkeit bevorzugen.
Stop-Loss: logische Platzierungen gemäß Struktur
Ihr Stop-Loss muss dort liegen, wo – wenn er erreicht wird – Ihre Annahme klar invalidiert ist. Für eine SKS, die short gehandelt wird:
- Option 1: Über der rechten Schulter. Konservativ. Steigt der Kurs bis dorthin, ist die Formation gescheitert.
- Option 2: Über dem Kopfhoch. Weiter. Sie tolerieren eine Gegenbewegung bis zum Kopf, bevor Sie die Niederlage akzeptieren.
- Option 3: 2 bis 3 % über dem Einstiegskurs (für Trader, die prozentuale Stops statt charttechnischer Niveaus nutzen).
Die Platzierung hängt von Ihrem Profil ab: konservativ oder aggressiv. Ein zu enger Stopp provoziert vorzeitige Exits, ein zu weiter exponiert Sie stark. Finden Sie das Gleichgewicht passend zu Konto und Risikotoleranz.
Take-Profit: Ausstieg ohne Zufallstreffer
Verlassen Sie die Position nicht blind. Definieren Sie ein klares Ziel vor dem Einstieg. Drei Ansätze:
- Theoretisches Ziel: Tragen Sie die Höhe Kopf→Nackenlinie vom Ausbruchspunkt nach unten ab. Mathematisch und statistisch belastbar.
- Nächste Unterstützung: Blicken Sie unter die Nackenlinie: Wo liegt die nächste starke Unterstützung? Logisches Ziel.
- Trailing-Stop: Läuft die Bewegung, folgen Sie mit einem nachgezogenen Stopp in ein paar Prozent Abstand. So fangen Sie längere Moves.
Die meisten ernsthaften Trader kombinieren: 50 % am theoretischen Ziel verkaufen, den Rest mit Trailing-Stop laufen lassen. Das ergibt ein günstiges Chance/Risiko-Verhältnis.
Berechnung des theoretischen Kursziels einer SKS
Hauptziel: Höhe Kopf → Nackenlinie abtragen
Das ist die klassische und am häufigsten genutzte Methode. So geht’s:
Messen Sie die vertikale Distanz zwischen dem Kopfhoch und der Nackenlinie. Tragen Sie dieselbe Distanz vom Punkt des Nackenlinienbruchs nach unten ab. Der so errechnete Kurs ist Ihr Hauptziel.
Konkretes Beispiel: Eine Aktie handelt bei 100 EUR. Der Kopf erreicht 110 EUR. Die Nackenlinie liegt bei 95 EUR. Distanz = 110 − 95 = 15 EUR. Der Bruch erfolgt bei 95 EUR. Ziel = 95 − 15 = 80 EUR.
Diese Methode funktioniert in der Praxis bemerkenswert gut. Statistiken zeigen, dass 60 bis 70 % der Formationen dieses Ziel innerhalb von sechs Monaten nach dem Bruch erreichen. Keine Gewissheit, aber eine verlässliche Wahrscheinlichkeit.
Alternatives Ziel: Höhe Schulter → Nackenlinie abtragen
Wenn Sie vorsichtiger sind und ein Zwischenziel möchten, können Sie auch die Höhe Schulter→Nackenlinie (ohne Kopf) abtragen.
Dies ist ein konservativeres Ziel, das häufig vor dem Hauptziel erreicht wird. Es dient als guter Referenzpunkt für die ersten Phasen der Abwärtsbewegung.
Grenzen theoretischer Ziele und zu beachtende Preiszonen
Theoretische Ziele sind keine Garantien, sondern statistische Zielmarken. Wichtiges dazu:
- Trifft der Kurs auf eine starke Unterstützung (altes Tief, gleitender Durchschnitt, runde Marke), kann er deutlich vor dem Ziel stoppen.
- Gewinnt die Bewegung an Momentum, kann das Ziel überschritten werden.
- Makro-News oder Trendwechsel können das Ziel obsolet machen.
- Auf kleinen Timeframes sind Ziele weniger verlässlich, auf längeren (Tag, Woche) belastbarer.
Nutzen Sie das theoretische Ziel als Leitplanke, nicht als Naturgesetz. Passen Sie den Ausstieg an den Marktkontext an.
Beispiel einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation
Kommentiertes Beispiel: Zeichnung, Bruch, Pullback, Ziel
Praxisfall auf dem DAX (deutscher Index), Tageschart, September 2023
Der DAX befand sich im Aufwärtstrend. Am 1. September markiert er ein Hoch bei 16 500 Punkten (linke Schulter). Danach fällt er und findet am 7. September ein Tief bei 16 200 Punkten. Am 10. September steigt er erneut und übertrifft die linke Schulter, erreicht 16 700 Punkte (Kopf). Die Volumina an diesem Hoch liegen unter denen der linken Schulter. Schlechtes Zeichen.
Der Kurs fällt zurück. Am 15. September entsteht ein Tief bei 16 250 Punkten (leicht tiefer als das erste Tief). Hier wird die imaginäre Nackenlinie gezeichnet: Sie verbindet die beiden Tiefs bei 16 225 Punkten, leicht ansteigend.
Am 18. September steigt der Kurs ein drittes Mal, erreicht aber nur 16 400 Punkte (rechte Schulter). Er übertrifft die linke Schulter nicht. Die Volumina sind sehr niedrig. Die SKS-Struktur steht.
Am 22. September bricht der Kurs die Nackenlinie per Schlusskurs unter 16 225 Punkte. Das Volumen explodiert: 40 % über dem Durchschnitt. Bestätigter Bruch.
Am 25. September erfolgt ein Pullback: Der Kurs steigt zurück und berührt erneut 16 225 Punkte, ohne sie zu überschreiten. Die Volumina fallen. Schwacher Pullback – gutes Zeichen für Verkäufer.
Berechnung des Ziels:
- Kopf = 16 700 Punkte
- Nackenlinie = 16 225 Punkte
- Distanz = 16 700 − 16 225 = 475 Punkte
- Ziel = 16 225 − 475 = 15 750 Punkte
Realität: Der DAX fällt im Oktober auf 15 780 Punkte. Das Ziel wird bemerkenswert genau erreicht (nur 30 Punkte Differenz).
Wichtige Punkte im Beispiel (Einstieg, Stopp, Ausstieg)
Einstieg: Ein aufmerksamer Trader hätte am Bruch vom 22. September um 16 200 Punkte einsteigen können. Oder den Pullback am 25. September abwarten und bei 16 220 Punkten einsteigen.
Stop-Loss: Logisch über der rechten Schulter (16 400 Punkte) oder über dem Kopf (16 700 Punkte). Positionsrisiko: 175 bis 500 Punkte je nach Wahl.
Ausstieg: Um 15 750 Punkte beim Hauptziel. Ein aggressiver Trader hätte 50 % am ersten Ziel verkauft und den Rest mit Trailing-Stop laufen lassen. Realisierter Gewinn: 450 Punkte (oder 2,8 % auf den DAX).
Fazit: sauber geformte Formation, klarer Bruch, schwacher Pullback, Ziel erreicht. So sieht eine funktionierende Formation aus.
Die inverse Schulter-Kopf-Schulter: bullische Umkehr
Was ist eine inverse Schulter-Kopf-Schulter?
Die inverse Schulter-Kopf-Schulter (iSKS) ist das Spiegelbild der SKS. Statt drei Hochs mit zwei Tiefs haben Sie drei Tiefs mit zwei Zwischenhochs.
Sie erscheint nach einem Abwärtstrend und signalisiert eine Aufwärtsumkehr. Ein starkes bullisches Signal. Käufer übernehmen nach einer Phase massiver Verkäufe.
Die Struktur ist ebenso visuell wie bei der SKS: ein großes zentrales Tief (der umgekehrte Kopf), zwei höhere Tiefs links und rechts (die umgekehrten Schultern) und eine Nackenlinie, die die zwei Zwischenhochs verbindet.
Bildung einer iSKS: drei Tiefs und die Nackenlinie
Der Ablauf im Detail:
Nach einem Rückgang findet der Kurs ein Tief (linke umgekehrte Schulter), steigt leicht zu einem Zwischenhoch. Dann fällt er nochmals und markiert ein noch tieferes Tief (umgekehrter Kopf). Er steigt erneut zu einem zweiten Zwischenhoch. Schließlich fällt er ein drittes Mal, aber nicht mehr so tief wie der Kopf: die rechte umgekehrte Schulter.
Die Nackenlinie verbindet die zwei Zwischenhochs. Sie ist eine Widerstandslinie: Solange sie hält, kann der Abwärtstrend andauern. Ein Ausbruch darüber signalisiert, dass die Käufer die Kontrolle zurückhaben.
Die sukzessive höheren Tiefs zeigen abnehmenden Verkaufsdruck: Jedes Tief liegt etwas höher als das vorige. Das ist aufbauende bullische Kraft.
Psychologie der iSKS: Akkumulationsphase
Im Abwärtstrend dominieren Verkäufer. Allmählich beginnen geduldige Käufer günstig zu akkumulieren. Jedes Tief zieht Käufer an, aber noch nicht genug für eine Trendwende.
Bei jedem Anstieg (Zwischenhochs) werfen verunsicherte Verkäufer erneut ab und schaffen Widerstand. Doch diese Verkäufer werden weniger. Jedes folgende Tief fällt weniger tief, weil Käufer den Kurs stützen.
Das ist die Signatur der iSKS: stille Akkumulation, eine Reihe vergeblicher Versuche, weiter zu fallen. Käufer bauen leise eine große Position auf. Wenn sie schließlich angreifen und die Nackenlinie nach oben brechen, spiegelt die explosive Bewegung die aufgestaute Energie.
Bestätigung der iSKS: Bruch der Nackenlinie und Folgeverhalten
Wie bei der SKS kommt die Bestätigung mit dem Bruch der Nackenlinie – bei der iSKS nach oben.
Gültigkeitskriterien:
- Der Ausbruch muss klar und eindeutig sein, kein bloßes Antesten.
- Die Volumina sollten beim Ausbruch ansteigen, oft deutlich.
- Der Schlusskurs sollte oberhalb der Nackenlinie bleiben.
- Nach dem Ausbruch sollte der Kurs nicht sofort darunter zurückfallen (oder nur ein sehr kurzer Throwback).
Ein Throwback (Gegenstück zum Pullback bei SKS) kann auftreten, ist aber oft schwächer als bei SKS. Sind die Volumina stark beim Ausbruch, fällt der Throwback in der Regel kurz und flach aus.
Wie man die iSKS handelt
Einstieg: Überwinden des Widerstands der Nackenlinie
Sie gehen long, sobald ein klarer Schlusskurs oberhalb der Nackenlinie mit steigenden Volumina vorliegt. Einfach und direkt: Widerstand brechen = bullisches Signal.
Zwei Ansätze:
- Beim Ausbruch: Kauforder knapp oberhalb der Nackenlinie, um den Beginn der Aufwärtsbewegung zu erwischen.
- Nach Throwback: Bildet sich ein kurzer Throwback, Einstieg am oberen Ende des Throwbacks (wenn er wieder dreht). Sicherer, aber der erste Teil der Bewegung ist verpasst.
Bei der iSKS ist der Einstieg beim Ausbruch oft weniger „rauschig“ als bei der SKS. Explodierende Volumina erzeugen natürliche Dynamik. Viele Trader, auch Institutionen, kaufen die iSKS beim Ausbruch ohne weitere Bestätigung.
Stop-Loss: unter dem Tief der rechten Schulter oder unter der Sekundärunterstützung
Ihr Stop-Loss sollte die bullische Annahme invalidieren. Zwei Optionen:
- Unter der rechten umgekehrten Schulter: Konservativ. Fällt der Kurs darunter, ist die iSKS gescheitert.
- Unter dem zentralen Tief (Kopf): Weiter. Sie tolerieren einen Rückgang bis zum Kopf, bevor Sie aussteigen.
Wählen Sie die erste Option, wenn Sie vorsichtig sind, die zweite, wenn Sie aggressiver vorgehen. Ein zu enger Stopp wirft Sie auf Marktrauschen heraus, ein zu weiter exponiert Sie stark.
Take-Profit: Höhe Kopf → Nackenlinie über dem Ausbruch abtragen
Wie bei der SKS tragen Sie die Höhe Kopf→Nackenlinie ab – diesmal nach oben, beginnend am Bruchpunkt.
Formel:
- Distanz = Nackenlinie − Kopf (tiefstes Tief)
- Ziel = Ausbruch + Distanz
Beispiel: Ein Wert handelt bei 40 EUR. Das Tief (umgekehrter Kopf) liegt bei 35 EUR. Die Nackenlinie (Zwischenhochs) bei 38 EUR. Distanz = 38 − 35 = 3 EUR. Ausbruch bei 38,50 EUR. Ziel = 38,50 + 3 = 41,50 EUR.
Dieses Ziel ist belastbar. Kombinieren Sie es mit einem weiteren Ziel (Unterstützung/Widerstand, gleitender Durchschnitt), um den Ausstieg zu verfeinern.
Volumen: wann der Anstieg die Glaubwürdigkeit stärkt
Das Volumen ist der ultimative Bestätiger einer iSKS. Ein Nackenlinienausbruch mit steigenden Volumina ist etwa 70 % verlässlicher als einer mit niedrigen Volumina.
Worauf achten:
- Das Volumen beim Ausbruch sollte 30 bis 50 % über dem 20-Tage-Durchschnitt liegen.
- Die Volumina beim Throwback (falls vorhanden) sollten sehr niedrig sein. Gutes Zeichen.
- Die Volumina sollten in den ersten Tagen nach dem Ausbruch erhöht bleiben. Das bestätigt echtes Kaufinteresse.
Sehen Sie einen Ausbruch bei sehr schwachen Volumina, ist er deutlich weniger verlässlich. Warten Sie zusätzliche Bestätigung oder suchen Sie das nächste Setup.
Eine inverse SKS identifizieren
Vorheriger Abwärtstrend: die Voraussetzung
Damit eine iSKS valide ist, muss sie nach einem klaren Abwärtstrend auftreten. Keine iSKS mitten in einer Seitwärtsphase oder Konsolidierung. Es braucht vorherigen Abwärtskontext.
Die Dauer dieses Abwärtstrends kann variieren: 2 Wochen, 2 Monate, 2 Jahre. Je länger der Rückgang, desto kräftiger die iSKS, die ihn beendet.
Linke Schulter, Kopf, rechte Schulter: einfache Prüfkriterien
Eine visuelle Checkliste:
- Zunächst ein Tief (linke umgekehrte Schulter).
- Dann ein Anstieg zu einem Zwischenwiderstand.
- Dann ein Rückgang zu einem tieferen Tief (Kopf).
- Dann ein Anstieg zu einem ähnlichen oder leicht höheren Widerstand.
- Schließlich ein letzter Rückgang mit einem höheren Tief als der Kopf (rechte Schulter).
- Danach die finale Aufwärtsbewegung.
Erkennen Sie diese Struktur, haben Sie wahrscheinlich eine iSKS. Visuell und mechanisch.
Hauptunterstützung und sekundäre Unterstützung
Zwei Linien sind in einer iSKS wichtig:
- Nackenlinie: Sie verbindet die zwei Zwischenhochs (die Hochs zwischen den drei Tiefs). Das ist die echte Nackenlinie.
- Sekundäre Unterstützung: Sie verbindet die Tiefs der linken und rechten Schulter. Sie schneidet oft die Nackenlinie und dient als Zwischenunterstützung.
Diese beiden Linien korrekt zu zeichnen ist entscheidend für Identifikation und Orderplatzierung.
Nackenlinie: Kriterien für Relevanz
Damit eine Nackenlinie in einer iSKS relevant ist:
- Muss sie zwei klare, sichtbare Hochs verbinden, nicht zwei unbedeutende Mini-Hochs.
- Sollten diese zwei Hochs nach den drei Tiefs der Formation aufgetreten sein, nicht davor.
- Darf die Neigung horizontal, steigend oder fallend sein – alle gültig.
- Sollten die beiden Hochs etwa auf gleichem Niveau liegen, mit 1 bis 3 % Abweichung.
Ignorieren Sie Nackenlinien, die diese Kriterien nicht erfüllen. Häufige Falle.
Schritte zum Erkennen einer iSKS im Chart
Vorgehen Schritt für Schritt:
- Stellen Sie sicher, dass seit mindestens 2 Wochen ein Abwärtstrend vorliegt.
- Identifizieren Sie das tiefste Tief: der umgekehrte Kopf.
- Identifizieren Sie die beiden Tiefs links und rechts: die umgekehrten Schultern.
- Prüfen Sie, dass die rechte Schulter höher ist als der Kopf (das zentrale Tief muss das niedrigste sein).
- Ziehen Sie die Nackenlinie, indem Sie die zwei Zwischenhochs verbinden, die auf jedes Tief folgen.
- Warten Sie den Ausbruch über diese Nackenlinie ab.
- Prüfen Sie die Volumina beim Ausbruch: Anstieg ≥ 30 %.
- Sie haben eine bestätigte iSKS. Bereit zum Traden.
Diese Methode eliminiert 90 % der Fehlsignale.
SKS: Unterschiede zwischen SKS und iSKS
Unterschiede im Kontext (vorheriger Trend) und in der Signaldirection
SKS: Tritt nach einem Aufwärtstrend auf. Signalisiert eine bärische Umkehr. Sie verkaufen oder shorten.
iSKS: Tritt nach einem Abwärtstrend auf. Signalisiert eine bullische Umkehr. Sie kaufen.
Es ist eine vollständige Spiegelung. Der Mechanismus ist identisch – nur die Richtung ist umgekehrt.
Unterschiede beim Lesen der Nackenlinie (Unterstützung vs. Widerstand)
SKS: Die Nackenlinie fungiert als Unterstützung. Solange sie hält, kann der Aufwärtstrend fortbestehen. Ihr Bruch nach unten (Verlust der Unterstützung) signalisiert den Einbruch.
iSKS: Die Nackenlinie fungiert als Widerstand. Solange sie hält, kann der Abwärtstrend fortbestehen. Ihr Bruch nach oben (Überwinden des Widerstands) signalisiert die Umkehr.
Das psychologische Verhalten ist dasselbe – nur invertiert.
Pullback vs. Throwback: häufiges Verhalten nach dem Ausbruch
Pullback (bei SKS): Nach einem Abwärtsbruch steigt der Kurs zurück, um die Nackenlinie erneut zu testen. In 60 % der Fälle üblich. Dauert meist 2 bis 5 Tage und bleibt flach (weniger als 50 % des Bruchs).
Throwback (bei iSKS): Nach einem Aufwärtsausbruch fällt der Kurs zurück, um die Nackenlinie erneut zu testen. Ebenfalls häufig, aber tendenziell schwächer als der Pullback der SKS. Ein Throwback, der mehr als 50 % des Ausbruchs korrigiert, ist ein Warnsignal.
Die iSKS hat nach dem Ausbruch oft stärkere Aufwärtsdynamik. Darum sind Throwbacks weniger ausgeprägt.
SKS: Welche Risiken beim Handeln dieser Formation?
Ausgewogene, harmonische Formation: der Schlüssel zur Zuverlässigkeit
Nicht jede SKS oder iSKS ist handelbar. Nur die harmonischen, gut proportionierten.
Eine „wackelige“ Formation (eine Schulter deutlich niedriger als die andere, ein zu spitzer Kopf, völlig ungleiche Zeitabstände) hat deutlich höhere Ausfallraten.
Harmoniekriterien:
- Die beiden Schultern innerhalb von ± 5 % derselben Höhe.
- Ähnliche Zeitabstände zwischen den drei Hochs/Tiefs (z. B. 10 Tage, dann 10 Tage, dann 10 Tage).
- Der Kopf klar extremer (höher bei SKS, tiefer bei iSKS).
- Volumina mit progressiver Abnahme bis zum Ausbruch.
Erfüllt eine Formation nur 50 % dieser Kriterien, lassen Sie sie ziehen. Es gibt Hunderte Formationen im Jahr. Nichts erzwingen.
Je länger die Bildung, desto besser handelbar
Eine SKS, die sich in 3 Wochen bildet, hat Erfolgsquoten von 55 bis 60 %.
Eine SKS, die sich in 3 Monaten bildet, 70 bis 75 %.
Eine SKS, die sich in 6 Monaten bildet, über 75 %.
Der Grund: Mit der Zeit beteiligen sich mehr Marktteilnehmer (Institutionen, Retail, Algos). Die Mechanik wird „unausweichlicher“. Kleine Timeframes (1 bis 4 Stunden) produzieren viele Formationen, aber mit mehr Rauschen. Lange Timeframes (Tag, Woche) produzieren weniger, aber zuverlässigere.
Wenn Sie beginnen, fokussieren Sie Tagesbasis oder höher. Warten Sie mindestens 2 Monate, bevor Sie an einen Trade denken.
Wann man die Formation meiden sollte (seitwärts, erzwungen, inkohärenter Kontext)
Meiden Sie SKS oder iSKS in diesen Fällen:
- Seitwärtstrend: Eine Formation in einer reinen Konsolidierung ohne vorherigen Trend ist eine Falle. Fehlsignale schießen hoch.
- Erzwungene Formation: Sie erkennen nur 70 % der Kriterien und „sehen“ dennoch eine Formation. Nein. Suchen Sie eine saubere.
- Inkohärenter Makrokontext: Eine Zentralbank kündigt kurz vor dem SKS-Bruch Zinserhöhungen an. Der Markt kann die Formation ignorieren und dennoch steigen.
- Illiquidität: Bei kleinen Werten oder Coins mit wenig Volumen sind Formationen leicht zu manipulieren. Handeln Sie nur liquide Assets.
- Extreme Nachrichtenlage: Vor großen Wahlen, Gerichtsurteilen oder bedeutenden Unternehmensmeldungen besser keine Formationen handeln. Die Unvorhersehbarkeit steigt.
Disziplin heißt, zu 80 % der erkannten Formationen „nein“ zu sagen. Nur die besten 10 bis 20 % verdienen Ihr Geld.
Statistiken und Erfolgswahrscheinlichkeiten
Quote weiterlaufender Ausbrüche: was die Daten zeigen
Akademische Forschung und Profidaten zeigen:
- SKS im Tageschart: 65 bis 72 % valide Ausbrüche (der Kurs fällt nach dem Bruch weiter).
- SKS im 4h-Chart: 58 bis 65 %.
- SKS im 1h-Chart: 52 bis 60 %.
- iSKS: Leicht höhere Quoten (2 bis 5 % mehr) dank stärkerer Aufwärtsdynamik nach dem Bruch.
Diese Prozentsätze bedeuten: In mindestens 35 % der Fälle ist der Bruch invalide oder eine Falle. Wer jede Formation ungefiltert handelt, verliert regelmäßig.
Wahrscheinlichkeit, das Ziel zu erreichen: was daraus folgt
Unter den 65 % validen Ausbrüchen:
- Erreichen ca. 85 bis 90 % das theoretische Ziel (oder ein Ziel zwischen 80 und 120 % davon).
- Rund 50 % überschreiten das theoretische Ziel.
Praktische Folgerung: Steigen Sie beim Bruch ein, mit logischem Stop-Loss und Take-Profit am theoretischen Ziel, liegt Ihre durchschnittliche Trefferquote bei 55 bis 65 % (65 % valide Ausbrüche × 85 % Zielerreichung = 55 %). Für Profitabilität ausreichend, vorausgesetzt, das Chance/Risiko-Verhältnis passt.
Beispiel: Risiko 100 EUR auf 10 Setups, Gewinn 400 EUR auf den 6 Gewinnern, Verlust 400 EUR auf den 4 Verlierern. Ergebnis: Break-even. Nicht glamourös, aber realistisch.
Häufigkeit von Pullbacks/Throwbacks: Einfluss auf die Strategie
Daten zeigen:
- Pullbacks (SKS): Treten in 60 bis 70 % der validen Ausbrüche auf. Sie testen die Nackenlinie, ohne sie (in 80 % der Fälle) erneut zu brechen.
- Throwbacks (iSKS): Treten in 50 bis 60 % der validen Ausbrüche auf. Seltener und geringer als Pullbacks.
Strategischer Einfluss: Warten Sie bei SKS auf Pullback, bekommen Sie ihn in ca. 60 % der Fälle. Sehen Sie keinen, warten Sie nicht länger – der Markt ist entschlossen.
Bei iSKS sind Throwbacks seltener. Ein ausbleibender Throwback invalidiert die Formation nicht. Steigen Sie beim Ausbruch ein, ohne zu warten.
Fazit
Schulter-Kopf-Schulter-Formationen (SKS und iSKS) gehören zu den zuverlässigsten Chartmustern für Trendumkehr-Trades. Sie bieten klare Strukturen, eindeutige Einstiege und berechenbare Ziele.
Zusammenfassung passend zu Ihrer Suchintention:
Um inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formationen (iSKS) zu traden, sollten Sie:
- Den vorherigen Abwärtstrend und drei sukzessive Tiefs identifizieren.
- Die Nackenlinie einzeichnen, indem Sie die zwei Zwischenhochs (Widerstand) verbinden.
- Einen klaren Ausbruch nach oben mit steigenden Volumina (≥ 30 % über dem Schnitt) abwarten.
- Beim Ausbruch oder nach einem kurzen Throwback mit Volumenbestätigung einsteigen.
- Einen Stop-Loss unter der rechten Schulter oder unter dem zentralen Tief platzieren – je nach Risikoneigung.
- Das Ziel bestimmen, indem Sie die Höhe Kopf→Nackenlinie oberhalb des Bruchpunkts abtragen.
- Auf mehrere Setups diversifizieren statt alles auf ein einziges zu setzen (Erfolgsquote: 60 bis 75 %).
Der Erfolg hängt vor allem von Ihrer Disziplin ab: gute Formationen auswählen, erzwungene ignorieren und akzeptieren, dass manche Ausbrüche scheitern. Kein Muster ist 100 % sicher. Die wahre Fähigkeit liegt darin, harmonische Formationen zu erkennen, das Risiko intelligent zu managen und langfristig konsistent zu bleiben. Traden Sie auf sinnvollen Zeiteinheiten (Tag oder länger), geben Sie der Formation Zeit zur sauberen Ausbildung und erzwingen Sie niemals ein Setup, das Sie nur zu 70 % erkennen.



